Mobilfunk in Canada

Wie steht es um die heutigen Mobilfunk-Netze in Canada? Wie sieht die Entwicklung bei HSPA+ aus? Beschäftigt man sich in Canada bereits mit LTE ?

 

Auch Canadier wollen die Mobilfunk-Netze aufrüsten

Wie in Europa wird auch in Kanada angestrengt darüber nachgedacht, wie die Kapazität der bestehenden Mobilfunknetze auf Dauer erhöht werden kann. Die kanadischen Funknetze unterstützen den Standard Code Division Multiple Access (CDMA), der ähnlich aufgebaut ist wie die europäische Breitband-Technologie Universal Mobile Telecommunications System (UMTS). Derzeit werden in Kanada wie in Deutschland Erweiterungen per High Speed Packet Access (HSPA) und HSPA+ eingeführt.

Langfristig werden diese 3G-Turbos aber nicht ausreichen, denn das Datenaufkommen steigt rasend schnell. Dank sinkender Datentarife und verbesserter Endgeräte nutzen immer mehr Verbraucher mobile Datendienste, sowohl in Europa wie auch in Kanada. Abhilfe kann da nur ein neuer Mobilfunkstandard mit einer erheblich gesteigerten Performance bieten. Die potentielle 4G-Technologie Long Term Evolution (LTE) verspricht Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde und wäre somit gut zehnmal so schnell wie die derzeitige Datenkommunikation per 3G-Funk.

Bell Canada Enterprises (BCE)

Die kanadischen Telekomkonzerne Bell Canada Enterprises (BCE) und Telus arbeiten seit 2008 an der Aufrüstung ihrer CDMA-Netze mit der HSPA-Technologie. Ziel dieser Erweiterungen ist neben einer verbesserten Netzperformance auch die Möglichkeit, einen Evolutionspfad für den neuen Mobilfunkstandard LTE vorzubereiten. Der Anbieter BCE hat seinen Hauptsitz im französisch-sprachigen Montreal, der Carrier Telus operiert von der westkanadischen Stadt Vancouver aus. Beide Netzbetreiber gehen davon aus, dass die LTE-Technologie im Jahr 2012 in ihren Netzen  verfügbar sein wird, hieß es in einem Bericht der Canadian Broadcasting Corporation (CBC).

Rogers Communications

Ein weiterer kanadischer Netzbetreiber, Rogers Communications will sich nach eigener Aussage zunächst einmal auf die 3G-Erweiterung HSPA+ konzentrieren. So soll die Performance von maximal 7,2 Megabit pro Sekunde auf 21 Megabit pro Sekunde im Download gesteigert werden. Das Rogers-Mobilfunknetz verfügt derzeit bereits über den 3G-Beschleuniger HSPA.

Nortel Networks Wireless

Neben dem notwendigen Netzausbau beschäftigte in den letzten 15 Monaten vor allem der Verkauf der Wireless-Sparte von Nortel Networks die kanadische Mobilfunkbranche. Im Sommer 2009 kaufte der  schwedischen Telekomkonzern Ericsson den Mobilfunksektor von Nortel. Der kanadische Ausrüster war im Zuge der Finanzkrise in die roten Zahlen gerutscht und musste Anfang 2009 ein Insolvenzverfahren anmelden. Politiker, Branchenexperten sowie Konkurrenzunternehmen von Nortel warnten vor negativen Konsequenzen für den Technologiestandort Kanada, sollte die Wireless-Sparte an ein nicht-kanadisches Unternehmen verkauft werden. Der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) mit Sitz in Waterloo (Ontario) beschwerte sich nach dem Verkauf an Ericsson heftig, er sei von der Auktion um den Nortel-Mobilfunksektor ausgeschlossen worden. Landesweit äußerten Kanadier die Befürchtung, qualifizierte Ingenieure würden nun nach Europa abwandern. Dadurch könnten kanadische Unternehmen ins Hintertreffen geraten, was den internationalen Wettbewerb auf dem Markt für drahtlose Technologien und mobiles Internet angeht.

Im Zentrum der Entwicklungsarbeit von Nortel Networks Wireless steht der neue Mobilfunkstandard LTE. Mit dem Erwerb des Nortel-Sektors verschafft sich Ericsson eine dominante Position auf dem LTE-Markt. Andererseits sicherte der schwedische Telekomkonzern der kanadischen Regierung im Zuge des Nortel-Kaufs zu, rund 2.500 Nortel-Mitarbeiter aus den Sparten CDMA und LTE zu übernehmen. Etwa 2.000 davon, die meisten am Standort Ottawa, sind ausschließlich im Bereich LTE beschäftigt. Ericsson unterhält bereits Forschungszentren in Montreal, Toronto und Vancouver. Im Jahr 2008 gab Ericsson Canada rund 147 Millionen kanadische Dollar für Forschung und Entwicklung in dem nordamerikanischen Land aus und rangierte damit auf Platz 14 der jährlichen Liste des Marktforschungsinstitutes Research Infosource. Im Vergleich zu Nortel ist das allerdings wenig, das Unternehmen steckte im gleichen Zeitraum 1,85 Milliarden kanadische Dollar in die Forschungsarbeit.